Rede zum Doppelhaushalt 2019/20 von Fraktionsvorsitzendem Tilman Pfannkuch: „Gutes bewahren, Neues wagen“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine sehr verehrten Damen und Herren,

als größte Fraktion im Gemeinderat ist es das Recht der CDU-Fraktion, als erste auf die Rede des Oberbürgermeisters und die Darlegung der kommenden Haushaltsplanung Stellung zu nehmen. Diese Verantwortung nehme ich gerne wahr.

Dank

Ich möchte mit einem Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung beginnen, die an der Einbringung des Haushaltes beteiligt waren. Nur durch ihre konzentrierte Arbeit konnte dem Gemeinderat der Haushaltsentwurf noch vor der Sommerpause vorgestellt werden. Uns liegt eine solide gestaltete Haushaltsplanung in großer Detailliertheit vor. Über sie können wir nun intensiv beraten.

Meinen Dank spreche ich auch Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Mentrup, aus. Sie setzen sich nach bestem Wissen und Gewissen für unsere Stadt ein.

Ebenfalls danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung, die die vielfältigen Aufgaben und Projekte der Stadt engagiert und pflichtbewusst in die Tat umsetzen. Hier ist es allerdings Ihre Aufgabe, Herr Oberbürgermeister, die Einsatzbereitschaft unserer Verwaltung nicht zu überfordern.

Gute wirtschaftliche Lage der Stadt Karlsruhe

 Karlsruhe steht sehr gut da! Die Stadt ist in vielerlei Hinsicht hervorragend aufgestellt. Man braucht nur die Mitteilungen in der Presse zu verfolgen. Karlsruhe ist das Drehkreuz der Region. Das stimmt auch im wörtlichen Sinne, denn wir sind ein Knotenpunkt im Schienenverkehrsnetz. Wer badische Bescheidenheit abstreift, kann auch richtig stolz sein.

Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, haben bei der Vorstellung des Verwaltungshaushaltes viele richtige Themen aufgeführt. Ungeachtet Ihrer Euphorie gibt es gleichwohl Anlass, Ihre Schlaglichter kritisch zu kommentieren. Auch gilt es Themen zu beleuchten, die Sie nicht angesprochen haben.

Viele Themen haben Sie in ihrer Amtszeit begleitet und unterstützt, auch initiiert. Vieles haben Sie aber auch vorgefunden.

Ihre Haushaltsrede, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liegt mittlerweile einige Wochen zurück. Daher will ich an dieser Stelle deren Leitlinien in Erinnerung rufen. Ich beziehe mich auf Ihren mündlichen Vortrag. Dies führe ich ausdrücklich an, da sich Ihre mündlichen Ausführungen von dem ausgelegten Manuskript deutlich unterschieden, um es milde auszudrücken.

Sie legen zu Recht dar, wie sehr Karlsruhe – ich zitiere – „brummt“. Allerdings vermissen wir kritische Analysen darüber, worauf das zurückzuführen ist. Sie führen aus, wie Karlsruhe auf internationaler und nationaler Ebene in wichtigen Projekten vernetzt ist. Auf europäischer, sogar weltweiter Ebene punktet die Stadt mit innovativen Ideen und Partnerschaften. Mit einer sehr munteren Stadtradtsdelegation waren wir gerade in Krasnodar. In einer nicht zu übersehenden Änderung der politischen Großwetterlage war die traditionelle Gastfreundschaft auf kommunaler Ebene wohltuend und wichtig.

Auch deutschlandweit und im baden-württembergischen Kontext ist immer häufiger von Karlsruhe die Rede.

Die Stadt brummt trotz – oder gerade auch wegen? – der vom Gemeinderat in die Wege geleiteten Haushaltsstabilisierung. Diesen Weg wollen Sie auch mit dem jetzigen Doppelhaushalt beibehalten. Wir erwarten in den Beratungen, dass Sie sich dafür engagiert einsetzen. Im Klartext bedeutet dies: Im diesjährigen „Haushalt der Superlative“, wie Sie ihn nennen, rechnen Sie mit einem Gesamtvolumen von fast 1,7 Mrd. Euro im Ergebnishaushalt und im Finanzhaushalt.

Diese Gelder wollen Sie im Sinne des „Geistes von Karlsruhe“ ausgeben: Sie appellieren an das Vertrauen in unsere Stadt und rufen dazu auf, Zitat: „offen zu sein für etwas Neues, etwas Neues auszuprobieren, Freiräume auszuhalten und zu füllen“.

Konkret werben Sie dafür, die großen Projekte unserer Stadtentwicklung weiterzuführen: den Bau der Kombilösung, den Umbau des Wildparkstadions, die Sanierung des Badischen Staatstheaters, die Neugestaltung des städtischen Klinikums, die Sichtbarmachung des Forums Recht.

Ferner gelte es, die sechs Korridorthemen unserer Stadtentwicklung mit den notwendigen Geldern auszustatten: die Themen Innenstadt, moderne Verwaltung, soziale Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft, grüne Stadt und Mobilität.

Sie schließen Ihre Ausführungen mit der Einladung, mit Ihnen über den Haushaltsentwurf zu streiten und erbitten unsere Zurufe und Diskussionsbeiträge.

In diese Diskussion treten wir nun gerne ein.

Wir tragen die großen Leitlinien des Haushaltes mit

Lassen Sie mich vorwegstellen: Die CDU-Fraktion wird die großen Leitlinien des Haushaltsentwurfes mittragen. Uns geht es darum, die zukunftsweisenden Projekte für die Entwicklung unserer Stadt abzusichern. Unsere Stadt soll zukunftsfest aufgestellt sein. Dieser Verantwortung kommen wir nach.

Für die CDU ist es wichtig, dass wir Gutes bewahren und Neues wagen. Dadurch bekennen wir uns zu unseren konservativen Wurzeln. Wir stellen uns den Herausforderungen der Gegenwart mit Pragmatismus und Entschlossenheit.

Diese Herangehensweise ließ sich zum Teil auch Ihren Ausführungen, Herr Oberbürgermeister, entnehmen. Mit Blick auf die Haushaltsplanung stimmen wir folglich in weiten Teilen mit Ihnen überein.

Herr Oberbürgermeister, Sie haben es bereits angesprochen: Karlsruhe hat eine gute Entwicklung genommen, natürlich auch, weil die gesamtwirtschaftliche Lage Deutschlands sehr gut ist.

Unsere Stadt ist in einer glänzenden Verfassung. Ganz unbescheiden sage ich: In allen wesentlichen Punkten haben wir, die CDU-Fraktion, an dieser guten Entwicklung unserer Stadt mitgewirkt. An dieser Kontinuität werden wir festhalten.

Nochmals: Auch im kommenden Doppelhaushalt wollen Sie das Prinzip der Haushaltsstabilisierung weiterverfolgen. Damit kommen Sie einem Kernanliegen der CDU nach, nämlich einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Langfristig dürfen wir nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen.

Um unsere gegenwärtige finanzielle Lage bildlich auszudrücken: Unser Glas schwappt nicht über, aber es ist gut gefüllt. Damit lässt sich solide weitermachen. Diese Ausgangslage gilt es für die Zukunft zu nutzen.

Vernetzung

       Internationalisierung

Da ist zum Beispiel unsere Vernetzung zu nennen. Neuerdings reicht sie bis nach Indien. Unsere internationalen Kontakte weiter auszubauen unterstützen wir voll und ganz. Dies gilt für die Wirtschaftsförderung in Richtung Indien, und dies gilt erst recht mit Blick auf unsere Städtepartnerschaft mit Nancy. Für die CDU als Europapartei ist es eine große Freude, wenn Sie, Herr Oberbürgermeister, über die kontinuierlich wachsende Zusammenarbeit mit der Hauptstadt des Departements Bas-Rhin berichten. Dass die Stadträte von Nancy und Karlsruhe mehr übereinander erfahren wollen, ist klug. Wir können bei Themen wie Mobilität und Stadtklima voneinander lernen. Die erste Städtepartnerschaft nach dem Krieg lebt mehr denn je. Hier zeigt sich ganz deutlich: Karlsruhe ist eine europäische Stadt. Unsere geographische Lage in der Mitte Europas ist Chance und Verpflichtung zugleich. Es steht für uns außer Frage, dass wir die internationale Einbindung unserer Stadt nach Kräften unterstützen.

       TechnologieRegion Karlsruhe GmbH

Gleiches gilt natürlich für unsere Vernetzung in der Region. Ich unterstütze, dass Sie, Herr Oberbürgermeister, als deren Vorsitzender die TechnologieRegion Karlsruhe GmbH herausstellen. Hier erwarten wir, dass Karlsruhe selbstbewusst, aber kooperativ wahrgenommen wird. Bescheiden verweisen Sie auf das neue Welcome-Center-Portal, ein Gemeinschaftsprojekt zur Überwindung des Fachkräftemangels. Sie werben für eine geniale Energiestrategie der TechnologieRegion. Sie haben aber sicher noch weitere Pfeile im Köcher. Vielleicht sind es Gespräche über eine effektive Zusammenarbeit in der Wohnungspolitik? Wir tun gut daran, regionales Bewusstsein zu fördern. Ja, ich meine sogar: Wir brauchen eine Erfolgsgeschichte vergleichbar mit anderen Regionen. Auch die regionale Wirtschaft setzt auf ein sichtbares Netzwerk. Erfahrungen erfolgreicher Wirtschaftsunternehmen wären ein Nutzen. Verstecken brauchen wir uns nicht. Deshalb hoffen wir sehr, dass es Ihnen gelingt, namhafte weltbekannte Firmen aus der gesamten Region als Gesellschafter der TechnologieRegion einzuwerben.

Der Gemeinderat stellt die Weichen zu zahlreichen großen und kleinen Themen. Zu nennen ist zum Beispiel die dringende Sanierung der Schulen, der Umbau der Stadthalle, der Bau von Sportstätten. Diese und andere Themen haben wir, die CDU-Stadtratsfraktion, zunächst kritisch geprüft. Anschließend unterstützten wir Ihre Verwaltungsvorlagen. Im Einzelfall haben wir als stärkste Fraktion überhaupt erst ermöglicht, Ihre Vorschläge zu realisieren.

In einem Gemeinderat wie dem Karlsruher, der farbenfroh und vielstimmig ist, sind erfolgreiche große Entwürfe keine Selbstverständlichkeit. Auch in Zukunft können Sie davon ausgehen: Wenn es dem Wohle der Stadt dient, unterstützen wir Sie gerne, ganz nach unserem Motto: Gutes bewahren und Neues wagen.

Großprojekte

       Kombilösung

Diesbezüglich greife ich die Kombilösung auf. Dieses ambitionierte Projekt stellt einen radikalen Umbau des öffentlichen Nahverkehrs in einer gewachsenen Großstadt dar – wir alle erleben es. Zu Recht sprechen Sie, Herr Oberbürgermeister, von der neuen Zeit der Innenstadt, die durch die Kombilösung für Karlsruhe anbricht. Ein neuer Marktplatz, eine schienenfreie Kaiserstraße und die Öffnung der Innenstadt in den Süden – dies ist nur durch die Kombilösung möglich.

Nicht weniger wichtig ist das Signal, das Karlsruhe durch die Kombilösung in die Region aussendet. Es handelt sich um ein innovatives und nachhaltiges Projekt. Die Kombilösung gibt einen neuen Impuls, auf den die Bürgerinnen und Bürger warten: Hier wird ein leistungsfähiger und moderner Öffentlicher Nahverkehr zur Verfügung stehen. Es wird Freude machen, ihn zu benutzen.

Herr Oberbürgermeister, mit Ihrer Überzeugung von der Kombilösung vermögen Sie zu begeistern. Wir stehen hinter diesem Projekt.

Es ist wahr, das alles ist nicht umsonst. Die Kosten wurden in beiden Haushaltsreden unumwunden benannt. Unsere Erste Bürgermeisterin Frau Luczak-Schwarz beziffert die Folgebelastung mit über 30 Mio. Euro jährlich ab dem Jahr 2022.  Zudem zeigte sie die Folgewirkungen im Ergebnis- und Finanzhaushalt transparent auf. Wir alle sind aufgerufen, diese Hinweise ernst zu nehmen, denn wir sind bei unserem Handeln auch den zukünftigen Generationen verpflichtet.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger den Mehrwert, der durch die Kombilösung für viele Generationen geschaffen wird, zu schätzen wissen. Das ist die aktive Seite der Generationengerechtigkeit.

Gleichwohl gilt angesichts der Kostenentwicklung, dass wir das Projekt kontrolliert und sparsam zum Ende bringen. Wir verstehen deshalb immer noch nicht, weshalb die Buslinie 10 um wenige Meter verlängert werden musste, ohne zählbaren Vorteil. Sparen fängt doch eigentlich bereits im Kleinen an.

Weitere Großprojekte

Als weitere Großprojekte sprechen Sie den Umbau des Wildparkstadions und die Sanierung des Badischen Staatstheaters an. Beides sind Institutionen in Karlsruhe von überregionaler Bedeutung. Die CDU-Fraktion wird den Fortgang der Projekte natürlich unterstützen. Es ist wahr, um auch in Zukunft in Karlsruhe höchstes Niveau in Schauspiel, Musiktheater und Ballett bieten zu können, müssen wir über zehn Jahre hinweg lästige Umbauten über uns ergehen lassen. Aber der Mehrwert, den wir daraus erhalten, rechtfertigt diese Maßnahmen in jedem Fall. Gleiches gilt für den Profifußball. Gemeinsam mit dem Land investieren wir hier. Beim Stadion geht es schlicht um die Frage, ob es in Karlsruhe und seiner Region künftig noch Profifußball geben kann oder nicht. Wir hoffen sehr, dass Ihre vor Kurzem getätigten Äußerungen in der Presse nicht wieder eine Diskussion im Gemeinderat abhängig von der jeweiligen Tabellenlage des KSC provozieren. In diesem Zusammenhang will ich erwähnen:

Die CDU-Fraktion setzt sich auch für eine vorurteilsfreie Prüfung unseres Sporthallenbedarfes ein. Wie hier die Europahalle eingebunden werden kann, hängt von einem komplexen Kostenkontrollverfahren ab, das erst im Frühjahr vorliegen wird. Dessen Ergebnis warten wir ab. Das Thema braucht keine Aufgeregtheit, sondern Sachlichkeit. Genauso wie die von uns unterstützte Idee einer Multifunktionsarena oder Eventhalle auf dem Messegelände.

Ferner bringen Sie die Bezuschussung für die Neugestaltung des Städtischen Klinikums vor. Die CDU-Fraktion steht zum Städtischen Klinikum. Es handelt sich hierbei um ein Großkrankenhaus der Maximalversorgung. Es ist in unserer, in kommunaler Hand. Der Umbau im Bestand ist für die Patienten und das Personal eine große Belastung, das stimmt. Aber der Neubau der Energiezentrale, einiger Institutsgebäude, vor allem aber der Neubau des Betten- und Funktionsgebäudes ist die Voraussetzung dafür, dass dieses Krankenhaus wieder kostendeckend arbeiten kann. Nur so können wir es langfristig erhalten, die zahlreichen Arbeitsplätze sichern und die Gesundheitsversorgung in dieser Stadt gewährleisten. Ein kostendeckendes Arbeiten dürfen wir schon wegen des Wettbewerbs mit anderen angesehenen Krankenhäusern in Karlsruhe und Umgebung nicht aus den Augen verlieren.

Als weiteres Einzelprojekt sprechen Sie in diesem Zusammenhang das ‚Forum Recht‘ an beziehungsweise die Ausgaben, die Karlsruhe für die Verankerung dieser zu gründenden Sichtbarmachung unseres Rechtsstaats tätigen will. Die CDU-Fraktion teilt Ihre Freude an diesem Leuchtturmprojekt. Wir brauchen gerade dieser Tage ein aufrüttelndes Signal für den Rechtsstaat. Mit Recht in Karlsruhe! Wir danken allen Akteuren, die dazu beigetragen haben, z.B. auch unserem CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther.

Korridorthemen

       Korridorthema Zukunft Innenstadt

Ihre Vorschläge, Herr Oberbürgermeister, zu der Finanzierung der Umsetzung der Korridorthemen will die CDU nicht verwässern. Sie beginnen mit dem Korridorthema Zukunft Innenstadt. Im Großen und Ganzen stützen wir Ihre Vorhaben zur Zukunftsgestaltung der Innenstadt.

Mühelos könnte dieses Thema meine gesamte Rede füllen. Doch will ich mich auf die zentralen Aspekte beschränken. Unser Hauptanliegen ist es, dass sich die Bürgerinnen und Bürger in unserer Innenstadt wohlfühlen können.

                                   Sicherheit

Zentraler Aspekt dabei, Sie sprechen es an, ist das Thema Sicherheit und Ordnung.

Ihr SOS-Ruf für die Innenstadt klingt uns vertraut und dringend. Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit sind für das Zusammenleben in unserer Stadt essentiell. Deshalb sind sie das Credo der CDU. Ihre Absichten, Herr Oberbürgermeister, zur Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung unterstützen wir nach Kräften. Auch wir reden darüber mit den Karlsruherinnen und Karlsruhern. Wir führen auch gerne mit ihnen gemeinsam eine bürgerschaftliche Diskussion über die Regeln eines geordneten Zusammenlebens. Gleichwohl hält die CDU-Fraktion diesmal eine Aufstockung des Karlsruher Ordnungsdienstes (KOD) für unumgänglich. Einen entsprechenden Haushaltsantrag werden wir einreichen. Kandel und Chemnitz haben gezeigt: Die große Mitte der Gesellschaft erwartet zu Recht Wehrhaftigkeit in einer geordneten Demokratie. Dazu gehört auch, dass ich Moschee-Vereine hiermit nochmals auffordere, sich zu unserem Grundgesetz klar zu bekennen.

Zur Wahrung von Sicherheit und Ordnung gehört auch die technische Kontrolle schwieriger Plätze. Moderne Systeme erkennen, wenn eine Person einen Schwächeanfall erleidet. Sie merken, wenn Menschen gewaltsam aneinandergeraten oder sich Gruppen aggressiv verhalten. Moderne Videoauswertung löst eine genaue Sichtprüfung und – wenn erforderlich – schnelle Hilfe aus. Und dabei kann technisch der Schutz der Privatsphäre gewährleistet werden. Wer das weiß, hat etwa auf dem Europaplatz ein ganz anderes, ein begründet sicheres Gefühl. Deshalb beantragt die CDU-Fraktion Haushaltsmittel für die Einführung solcher Videosysteme, wie sie bereits in Mannheim gut funktionieren. Dies mag mit einem Sperrvermerk versehen werden, bis die Rechtsfragen beispielsweise für ein weiteres Modellprojekt geklärt sind.

Es ist eine klare Ansage: Wir dulden Graffitis nicht – soweit sie nicht ausdrücklich erlaubt sind. Graffiti kann Kunst sein, aber dazu gehören die Wandschmierereien sicherlich nicht. Nicht nur Plätze, sondern ganze Stadtteile können abgleiten, wenn sie durch Schmierereien verschmutzt werden. Im Grunde genommen, ist dies eine andere Art von Vandalismus. Hauseigentümer, denen das nicht gleichgültig ist, brauchen technische Beratung. Ein pauschaler Schadenszuschuss könnte Hauseigentümern als Anreiz dienen, Geschmiere zu entfernen. Zur Bekämpfung von illegalen Graffitischmierereien brauchen wir ein Konzept und natürlich Haushaltsmittel. Dies wird die CDU-Fraktion beantragen. Natürlich wäre zu evaluieren, wie unsere Maßnahmen angenommen würden. Dementsprechend wären sie dann später anzupassen.

                                  Brunnen

Das Korridorthema Innenstadt ist breit gefächert – wenn ich mir dieses Wortspiel erlauben darf. Es geht auch um Erholung, um Genuss, um Kultur und Lebensgefühl. Die Brunnen in unserer Stadt tragen ganz wesentlich dazu bei, sich hier wohlzufühlen. Sie sind prägendes Kulturgut. In heißen Sommern wie dem vergangenen bieten sie eine willkommene Abkühlung. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Stadtklima. Die CDU-Fraktion beantragt daher auch, die erforderlichen Gelder für den Betrieb von Brunnenanlagen in den Haushalt einzustellen.

                                  ZKM

Der Kulturbetrieb unserer Stadt wäre nicht zu denken ohne das ZKM. Die CDU-Fraktion hat diese international renommierte Institution seit ihrer Gründung immer unterstützt. Das war mittlerweile vor knapp dreißig Jahren – wie schnell die Zeit vergeht. Im nächsten Jahr feiert das ZKM sein 30-jähriges Jubiläum. Selbstverständlich setzen wir uns dafür ein, dieses Ereignis würdig zu begehen. Entsprechende Haushaltsmittel werden wir beantragen.

Korridorthema Moderne Verwaltung

Auch die Finanzierung des Verwaltungsmarketings und der Verwaltungsmodernisierung tragen wir vollumfänglich mit. Die CDU-Fraktion wird Sie, Herr Oberbürgermeister, und unsere Fachbürgermeister dabei unterstützen.

Unsere Stärke liegt in unserer Verwaltung. Wir sind hier gut aufgestellt. Daher nimmt die CDU-Fraktion alle Hinweise zur Pflege und Bewahrung dieses Schatzes ernst, darunter auch das, was wir zwischen Ihren Zeilen lesen. Diesen Zwischentönen entnehmen wir, dass städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder selbst Produkte gestalten wollen, für die sie Verantwortung tragen, Bauleitungen selbst ausführen, nicht lediglich vergeben wollen. Wer nur Kontrolleure kontrolliert, kann die Chancen seiner Berufung nicht nutzen. Das ist ein Verlust für uns alle.

Die CDU-Fraktion schlussfolgert daraus: Es muss ein Umdenken einsetzen. Es muss ein Umbau in der Organisationsstruktur der Verwaltung resultieren.

Das braucht anfänglich mehr Personal. Hierzu beantragt die CDU-Fraktion – vielleicht für manchen überraschend – Haushaltsmittel. Diese Mehraufwendungen können jedoch später durch Umschichtung der nicht mehr erforderlichen Sachmittel eingespart werden.

       Moderne Verwaltung und die Folgen

Wir haben bei IQ verstanden: Wer das Unternehmen Stadt in Fahrt halten will, muss dezernats- und ämterübergreifend strategisch gut aufgestellt sein. Diese Verdichtung der Prozesse wurde bereits im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) angelegt. Abläufe werden beschleunigt, Synergien früher erkannt. Die Verwaltung wird damit immer unternehmerischer. Städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird ein Umdenken abverlangt. Das müssen wir honorieren.

Dabei ist der CDU-Fraktion bewusst, dass der strategische Umbau der Verwaltung erst am Anfang steht. Dieser Entwicklung ist die Arbeitsweise eines Stadtrates mit ausschließlich ehrenamtlichen Stadträtinnen und -räten immer weniger gewachsen. Immer stärker verdichtete Prozesse führen zu immer mehr Gremien, Vor-, Neben- und Begleitausschüssen. Entscheidungsabläufe werden unter stetem Zeitdruck kurz getaktet. Nicht selten hoch komplexe Verwaltungsvorlagen liegen immer häufiger viel zu spät vor. Das führt dazu, dass sie von den Fraktionen – den idealtypischen Gremien politischer Willensbildung – nicht mehr gründlich beraten werden können. Dies kann so nicht weitergehen.

Meiner Ansicht nach mutiert der Gemeinderat in den beschleunigten Prozessen zum Hemmschuh, anstatt seiner Kontrollfunktion nachzukommen. Man muss sich einmal vor Augen führen: Es gibt Gemeinderatssitzungen mit bis zu sechzig Tagesordnungspunkten. Der Einsatz, der den Stadträtinnen und -räten abverlangt wird, kann auf die Dauer nicht ehrenamtlich bewältigt werden. Während die Verwaltung „aufrüstet“, ja aufrüsten muss, verharren die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte in archaischen Zeiten. An dieser zunehmenden Asymmetrie muss sich schon zur Wahrung demokratischer Grundprinzipien unverzüglich etwas ändern. Auf die Änderung der Gemeindeordnung können wir nicht warten. Wir brauchen einen Karlsruher Weg. Die CDU-Fraktion fordert daher den Oberbürgermeister auf, unmittelbar nach der Konstituierung des neuen Gemeinderates so etwas wie eine „Gemeindestrukturkommission“ einzuberufen. Wagen wir Neues!

Korridorthema Soziale Stadt

       Ergänzungsanträge bei Soziales

Beim Korridorthema Soziale Stadt haben Sie alles aufgerufen, was uns unisono gut und wichtig ist. Hier dankt die CDU-Fraktion einer kleinen parteiübergreifenden Fachgruppe, die immer wieder tragfähige Kompromisse für komplexe Sachverhalte vorbereitet. Ich bin mir bewusst, dass dies bei den im Jahr 2019 anstehenden Kommunalwahlen nicht leicht werden wird. Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt. Wir wissen, dass wir im sozialen Bereich im Einzelfall unterstützen müssen. Zahlreiche Vereine und Verbände haben sich an uns gewandt mit der Bitte um Zuschusserhöhungen aufgrund von Miet- und anderen Preiserhöhungen wie Lohnkosten. Die Opferschutzverbände nenne ich stellvertretend. Wir werden sie alle in unseren Beratungen berücksichtigen und behalten uns zugleich vor, eigene Anträge zu stellen. Zum Beispiel werden wir Gelder für die Bahnhofsmission und den Kinderschutzbund beantragen.

Tragfähige Kompromisse werden wir hoffentlich auch für die dringend benötigten Plätze in der Kinderbetreuung finden. Wir brauchen gute, bezahlbare und ausreichende Kita-Plätze. Alle wollen hier deutliche Bewegung. Quantität und Qualität stehen für uns an erster Stelle. Dann kann der Schritt zur Beitragsfreiheit erfolgen. Einen entsprechenden Antrag haben wir vorbereitet.

Herr Oberbürgermeister, danke, dass Sie das Thema Teilhabe explizit ansprechen. Die CDU-Fraktion ist der Ansicht, dass jede und jeder die besten Chancen erhalten sollte, Fähigkeiten zu entwickeln, Talente zu stärken und Interessen zu schärfen. Die diesbezüglichen Maßnahmen unterstützen wir daher. Eindringlich fordere ich an dieser Stelle auch dazu auf, die Belange von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum stärker zu berücksichtigen. Ich erinnere nur an die peinliche Nachjustierung des Bodenbelags in der Kaiserstraße, um sie sehbehindertengerecht zu gestalten.

Alteingesessene, Neuzugezogene, alt und jung sollen sich gleichermaßen in Karlsruhe zu Hause fühlen können. Ein Schlüssel des Zusammenlebens ist ehrenamtliches Engagement. Maßnahmen zur Förderung des Ehrenamtes wie zum Beispiel die Förderung von Übungsleitern oder die Erhöhung von Aufwandsentschädigungen für die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr werden wir daher auch weiterhin unterstützen. Auch wenn es darum geht, das Überleben von Vereinen zu sichern, können Sie uns auf Ihrer Seite wissen. Für ein soziales Miteinander haben wir uns in der Vergangenheit stark gemacht, und daran halten wir auch in der Zukunft fest. Das gilt natürlich auch für die Unterstützung der Quartiersprojekte im Rahmen der Quartiersentwicklung 2020.

Angebote für eine Teilhabe zu schaffen gilt für alt und jung. Die CDU setzt sich daher auch weiterhin für die Einrichtung eines Jugendgemeinderates ein. Ein Jugendgemeinderat bindet Jugendliche eben doch stärker in die Verantwortung für deren eigene Interessen ein, als es der Stadtjugendausschuss ermöglicht. Dies kann nur im Sinne unserer Demokratie sein. Wir wollen den Stadtjugendausschuss nicht ersetzen, wir wollen aber mehr Gestaltungsmöglichkeiten für unsere Jugendlichen. Die Entscheider von morgen sollen sich frühzeitig in unserer Demokratie einbringen können.

Auch das Thema Pflege fehlt in Ihrer Haushaltsrede, Herr Oberbürgermeister. Diesbezüglich fordert meine Fraktion sie vehement auf, aktiv zu werden. Schaffen Sie endlich die Rahmenbedingungen für mehr Pflegeplätze und für mehr Fachpersonal. Unsere Zustimmung haben Sie dafür.

Korridorthema Wirtschaft und Wissenschaft

Kommen wir zum vierten Korridorthema: Wirtschaft und Wissenschaft.

       Wohnraumknappheit

Das Thema bezahlbarer Wohnraum ist für die Wirtschaft unserer Stadt von zentraler Bedeutung. Es steht in engem Zusammenhang mit dem zunehmenden Fachkräftemangel. Die CDU-Fraktion muss das hier ansprechen – nicht, weil wir der Verwaltung völliges Unvermögen vorwerfen wollen oder gar meinen, selbst das Ei des Kolumbus erfunden zu haben. Die Politik fordert aller Orten Handlung. Wir sehen allerdings keine Fortschritte. Bund und Länder sitzen auf Flächen, die dringend für den Wohnungsbau in dem erforderlichen Umfang gebraucht werden.

Gleichzeitig stößt in unserer Stadt die Innenentwicklung bereits jetzt an Grenzen. Dies zeigen auch die ständigen Diskussionen im Planungsausschuss. Beim Sophienkarree haben wir noch Glück gehabt, hier ist die Entwicklung vergleichsweise optimal gelaufen. Da selbst großzügige Baufinanzierungszuschüsse die Flächenknappheit nicht überwinden können, bleibt mittelfristig nur, die Karlsruher Wohnungsbaugenossenschaften zu unterstützen.

Aber auch das städtische Wohnungsunternehmen, die Volkswohnung, muss mehr machen. Sie muss neue Wohneinheiten errichten, und zwar so viele wie möglich! Wir ermuntern deshalb zu einer aktiven Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden, aber auf Augenhöhe. Wir brauchen jede Wohneinheit, die sich ein alleinerziehender Facharbeiter oder eine Altenpflegerin mit Familie auch leisten kann. Wir müssen auch über das Münsteraner Modell diskutieren. Nach diesem Modell bekommt derjenige Investor den Zuschlag für ein Baugrundstück, der für einen bestimmten Zeitraum die niedrigste Miete veranschlagt.

       Wirtschaftsförderung

Wirtschaft und Finanzen sind sperrige Themen. Sie sprechen in einem kurzen Bogen karlsruhe.digital, ReGeKo und das Aktionsprogramm Handwerk an. In ihrer Haushaltsrede ergänzt Frau Erste Bürgermeisterin ressortzuständig pointierter: Wir brauchen mehr Arbeitsplätze. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen stimmen! Diese hängen maßgeblich von unserem Gewerbeflächenpotential ab. Dies wird jedoch in wenigen Jahren aufgebraucht sein. Dieser Entwicklung müssen wir unser Hauptaugenmerk widmen, wenn wir die Erfolgsstory unserer Stadt weiterschreiben wollen.

ReGeKo ist leider nicht das Erfolgsmodell für Gewerbeflächenschaffung in der Innenentwicklung. Der Prozess war zu teuer. Zwar wird das Gewerbegebiet am Ende städtebaulich dazugewonnen haben. Aber nicht eine einzige zusätzliche Gewerbeansiedlung ist dort zu erwarten. Wir brauchen Mut zu neuen Wegen. Die Gewerbeentwicklung im Innenbereich muss noch viel stärker nach dem Modell der Durlacher Raumfabrik erfolgen. Wir dürfen die Chance für die Umstrukturierung älterer Gewerbeflächen nicht verpassen. Die Stadtplanung kommt nur weiter, wenn sich vor Ort Eigeninitiative entwickelt. Dafür müssen wir deutlich werben und Hilfen anbieten.

Es braucht eine neue Runde bei dem Flächennutzungsplan für Gewerbeflächen. Diesmal darf der Prozess keinesfalls unter Zeitdruck ablaufen. Vielleicht wird jetzt deutlicher, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen.

Die zweite Rheinbrücke muss bei diesen Haushaltsberatungen kein besonderes Thema sein, weil der jetzt vorliegende Planfeststellungsbeschluss – gegen den Willen unserer Fraktion – derzeit vom Verwaltungsgerichtshof geprüft wird.

Sie, Herr Oberbürgermeister, haben immer wieder zugesagt, von städtischer Seite unvermindert die Vorbereitung für ein zweites Planfeststellungsverfahren über die Anbindung der zweiten Rheinbrücke an die B 36 zu fördern. Es geht um die Linienführung der geplanten Trasse, vielleicht aber auch um die Anbindung möglicher zusätzlicher Gewerbeflächen. Wir fordern Ihre Zusage ein.

Zum Korridorthema Wirtschaft gehört auch die Erwähnung der Stadthalle. Das Projekt muss zügig zum Ende kommen, um die Attraktivität Karlsruhes als Kongressstandort zu unterstreichen.

       Digitalisierung

Lassen Sie mich das Thema Digitalisierung ansprechen. Die CDU-Fraktion wird Mittel für ein Konzept zur Schaffung einer flächendeckenden schnellen Breitband-Infrastruktur beantragen. Für dieses Vorhaben fangen wir glücklicherweise nicht bei null an. Das Dezernat 4 hat grundlegende Vorarbeiten geleistet. Unsere Wirtschaft und unser Wissenschaftsstandort brauchen einen hundertprozentigen Internetabdeckungsgrad im Hochgeschwindigkeitsbereich. Wir brauchen eine flächendeckende Versorgung, und zwar mit den besten technischen Möglichkeiten. Um für die Datenströme der Zukunft gerüstet zu sein, brauchen wir die Technologie der Zukunft! Kompromisslos.

Das ist aber längst nicht alles. Wir treten mittlerweile in das Gigabit-Zeitalter ein. G 5-Mobilfunklizenzen werden demnächst versteigert. Damit eröffnet sich eine völlig neue Welt des Datentransfers. Die großen Telekommunikationsakteure formieren sich. Also tun wir gut daran, uns rasch gut beraten zu lassen. Wir müssen uns positionieren, wie wir hier vorgehen. Wenn Karlsruhe zu Recht über karlsruhe.digital diskutiert und wir das Glück haben, auf zahlreiche Berater aus Wirtschaft und Wissenschaft zugreifen zu können, wenn wir stolz sind auf unsere wachsende Startup-Szene, dann dürfen wir das Giga-Thema der Dateninfrastruktur nicht erst angehen, wenn wir vom weiten Land überholt worden sind. Wie soll ich einer Karlsruherin oder einem Karlsruher erklären, wie „smarter City“ funktioniert, wenn wir auf der Stadtkarte weiße Flächen ohne akzeptable Datennetze haben?

Korridorthema Grüne Stadt

Herr Oberbürgermeister, die Grüne Stadt sprechen Sie als nächstes Korridorthema an. Danke für Ihre klare Feststellung, dass Karlsruhe bereits seit der Gründung vor 303 Jahren eine grüne Stadt ist. Das Bewusstsein für unsere Umwelt ist kein Farbenspiel. Rücksicht und Schonung der Natur sind zutiefst bewahrende Haltungen, die die CDU-Fraktion schon immer getragen hat. Ich wiederhole: Wir wollen Gutes bewahren und Neues wagen. Dazu gehört auch, sich Gedanken über einen Hitzeplan zu machen. Die CDU hatte sich diesbezüglich ja bereits mit unseren französischen Nachbarn aus dem Gemeinderat von Nancy ausgetauscht. Es ist erfreulich, dass nun auch die SPD auf dieses Thema aufgesprungen ist.

Korridorthema Mobilität

Zuletzt kommen Sie, Herr Oberbürgermeister, auf das Korridorthema Mobilität zu sprechen.

Bei RegioMove, so haben Sie es beschrieben, wird die Entscheidung einer Bürgerin oder eines Bürgers über seine Mobilität im Smartphone vorbereitet. Welche Reiseart ist zum konkreten Zeitpunkt staufrei zu welchem Aufwand mit welchem Zeitplan möglich? Je einfacher die Nutzung dieser App ist, umso mehr Einfluss wird sie auf die Entscheidung haben, wie wir uns auf die schnellste Weise von A nach B bewegen. Wir sind sehr gespannt.

Sie sprechen in ihrer Haushaltsrede etwas Neues an. Sie bringen ein Gesamtentwicklungskonzept für Mobilität in der Stadt und der Region ins Spiel. Dieser Ansatz ist interessant. Die Diskussion wird spannend. Die CDU ist – wenn sie einbezogen wird – dabei.

Quartiere vom öffentlichen Verkehr zu befreien ist weder einfach noch in jedem Falle sinnvoll. Die Menschen werden älter. Sie werden nicht bis an ihr Lebensende die Strecke zwischen der Straßenbahnhaltestelle und der Haustüre mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen können. Denken wir bei allen stadtplanerischen Überlegungen an die demographischen Fakten. Wir sind bei Ihnen, wenn sie unter Lenkung der Mobilität keine Verbote, sondern einfach bessere Mobilitätsangebote verstehen.

Das Thema Südumfahrung Hagsfeld haben Sie, Herr Oberbürgermeister, in Ihrer Rede leider überhaupt nicht erwähnt. Sie ist auch im Haushalt nicht angeführt, obwohl dieses Projekt für die Mobilität im Karlsruher Norden und die verträgliche Abwicklung des vorhandenen Verkehrs auch in der Nord/Süd-Achse sehr, sehr wichtig ist. Müssen wir eine Verzögerung oder gar eine Verschiebung über das Jahr 2020 hinaus befürchten?

Viele Themen, die Sie und jetzt auch ich ansprechen, berühren mehrere Themenfelder. So auch das Thema Lärmbelästigung. Ich spreche es im Korridorthema Mobilität an, weil der Lärm aus der Verkehrsbelastung resultiert. Lärm macht auf die Dauer krank! Wir müssen bereit sein, Gelder in die Hand zu nehmen, um Schutzmaßnahmen zu treffen. Das betrifft die Südtangente genauso wie das Gebiet Rheinhafenstraße/Eckenerstraße, um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Grundsätzliches

       Haushaltstabilisierung

Zum Abschluss meiner Rede bringe ich etwas Grundsätzliches an, die Finanzen im Allgemeinen:

Die Ausführungen der Wirtschaftsbürgermeisterin Frau Erste Bürgermeisterin Luczak-Schwarz können wir in manchen Punkten nur verstärken.

So wäre es fatal, wenn die langfristigen Segnungen, die der Haushaltstabilisierungsprozess (HSPKA) in einem schwierigen Kompromiss erbracht hat, durch isolierte Haushaltsanträge ausgehebelt würden. Die CDU-Fraktion wird hier eine solide Politik nicht in Frage stellen lassen.

Im Gegenteil: Frau Erste Bürgermeisterin, Sie haben in Ihrer Rede angesprochen, dass Vorschläge aus diesem Haushaltsstabilisierungsprozess noch gar nicht abgearbeitet sind. Bevor wir ihn also in Frage stellen, sollten wir zunächst alle geplanten Maßnahmen umsetzen.

Ausgabenzurückhaltung ist eine Frage der geistigen Haltung. Natürlich können wir uns heute Ausgaben im konsumtiven Bereich vorstellen. Wir müssen jedoch heute schon an die Folgen dieses dauernden Aufwandes für den übernächsten Doppelhaushalt denken. Wir müssen jetzt schon verantwortlich handeln. Das ist notwendig, und die CDU wird sich dafür nach Kräften einsetzen. Das mag uns Konservative langweilig erscheinen lassen, es ist aber ein zutiefst bewahrendes, vorausschauendes Verhalten der CDU-Fraktion.

Meine Fraktion ist nicht glücklich, wie die Liste der Investitionen in den Haushalt eingestellt worden ist. Zwar wurde in den letzten Monaten Projekt um Projekt über den Bauausschuss kostenkontrolliert. Ohne Abstimmung mit dem Gemeinderat sind nun alle kostenkontrollierten Vorhaben in den Haushaltplan eingestellt worden – ohne erkennbar Prioritäten gesetzt zu haben.

Wie soll nun nachträglich eine Priorisierung erfolgen? Wer hat die Stirn, weniger wichtige Projekte durch Streichungsanträge wieder herauszunehmen? Der Vorschlag über die richtige Reihenfolge wichtiger Baumaßnahmen ist allein Sache der Fachverwaltung. Es liegt dann beim Gemeinderat, sich diesem Vorschlag anzuschließen oder ihn an der einen oder anderen Stelle zu ändern. Ganz zu schweigen davon, dass wichtige Vorhaben wie die Sporthallen in Oberreut nicht kostenkontrolliert wurden. Folglich tauchen sie nicht in der Haushaltsplanung auf und stehen auch nicht zur Disposition des Gemeinderates.

Diese Vorgehensweise verschärft das Problem, den Haushalt durch Maßnahmen aufzublähen, wohlwissend, dass die Verwaltung dieses Mega-Programm beim besten Willen nicht abarbeiten kann. Gleichwohl muss der Haushalt aus gesetzlichen Gründen so ausfinanziert sein, als ob alles – einschließlich der Hängepartien aus früheren Haushaltsjahren – erledigt werden kann.

Vielleicht können Sie, Herr Oberbürgermeister und Frau Erste Bürgermeisterin, mit allen betroffenen Dezernaten und Amtsleitungen noch eine rasche Lösung dieses Problems herbeiführen. Es wird uns regelmäßig vom Regierungspräsidium bei der Prüfung des Haushaltsbeschlusses bescheinigt.

Kostenkontrollverfahren laufen häufig formal durch den zuständigen Ausschuss. Die CDU-Fraktion wird künftig darauf bestehen, dass in den Beschlussvorlagen Angaben über die vorgesehenen Baustandards gemacht werden. Wir stellen immer wieder fest, dass häufig hohe technische und bauliche Standards angelegt werden, obwohl diese für die Bedeutung und städtebauliche Lage des konkreten Objektes nicht vordringlich sind. Wir wollen in diesem Zusammenhang künftig wissen, welche Standards in Städten angelegt werden, die mit Karlsruhe vergleichbar sind.

Davon zu unterscheiden sind Bauqualitäten, die nachweislich Wartungs- und Unterhaltungsaufwendungen senken oder auf den Lebenszeitzyklus positiven Einfluss haben. Aber das muss bei der Kostenkontrolle konkret angesprochen werden.

Wir danken ausdrücklich dafür, dass Frau Erste Bürgermeisterin in ihrer Haushaltsrede darstellte, wie auf der Einnahmenseite unseres Haushaltes Ertragspositionen so niedrig wie möglich beziffert, während Ausgaben auch in der mittelfristigen Finanzplanung mit allen realistischen Risiken angesetzt wurden.

Das ist das Verhalten einer sogenannten ordentlichen Kauffrau in der Kommunalwirtschaft. Wir begrüßen das ausdrücklich, zumal wir erwarten, dass Sie, Herr Oberbürgermeister, diesen Ansatz überzeugt teilen.

       Tragfähigkeitsanalyse

Lassen Sie mich das an dieser Stelle noch einmal betonen: Wir brauchen einen tragfähigen städtischen Haushalt. Eine entsprechende Tragfähigkeitsanalyse haben wir bereits beantragt. Nun werden wir die Mittel dafür einfordern. Nur mit einem tragfähigen städtischen Haushalt können wir finanzielle Lasten aus der Vergangenheit abtragen. Nur mit einem tragfähigen Haushalt können wir Zukunftslasten beherrschbar halten. Nur mit einem tragfähigen Haushalt können wir generationengerecht haushalten. Nur mit einem tragfähigen Haushalt können wir Gutes bewahren und Neues wagen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.