Hilfsfristen und Prähospitalzeiten durch die professionellen bodengebundenen Rettungsdienste in Karlsruhe

Anfrage

  1. Wer ist neben den Rettungsdiensten selbst in Karlsruhe mitverantwortlich für die Einhaltung der HiIfsfristen bzw. wie verteilen sich die Verantwortlichkeiten? Worin bestehen die vorgeschriebenen Aufgaben der Stadt in Hinblick auf die professionellen Rettungsdienste? Was muss sie leisten und was sieht die Verwaltung als ihre Aufgabe an?
  2. Auf welche Faktoren in Hinblick auf die Hilfsfristen und die Prähospitalzeiten hat die Stadt Karlsruhe einen unmittelbaren oder auch bedingten Einfluss?
  3. Wie hoch sind die tatsächlichen Hilfsfristen und Prähospitalzeiten in Karlsruhe?
    • Werden die tatsächlichen Hilfsfristen und Prähospitalzeiten in Karlsruhe als zufriedenstellend angesehen? Entsprechen die aktuellen Zeiten durchschnittlich den vom Land vorgegebenen HiIfsfristen?
    • Wie viel Prozent der Hilfsfristen innerhalb der letzten drei Jahre entsprechen nicht den vorgegebenen Zeiten? Wie verteilen sich die Prozentanteile nach Minuten? (Bitte um Häufigkeitsverteilung/Histogramm der Zeiten oberhalb der Hilfsfristen)
    • Falls die Zeiten zu hoch sind: Was sind die Ursachen?
    • Wie unterscheiden sich die Hilfsfristen und Prähospitalzeiten in Karlsruhe zu anderen Kommunen Baden- Württembergs?
  4. Wie schätzt die Verwaltung die Verteilung der Rettungswachen im Stadtgebiet ein? Ist die Verwaltung der Auffassung, dass die Verteilung der Rettungswachen in Karlsruhe derzeit oder in mittelfristiger Zukunft eine Einhaltung der Hilfsfristen und der vom Land geplanten Begrenzung der Prähospitalzeit auf 60 Minuten gewährleistet?
  5. Welche Möglichkeiten hat die Stadtverwaltung, auf die Verteilung von Rettungswachen einzuwirken?
Sachverhalt / Begründung:

Ein guter Rettungsdienst hat wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit der Stadtbevölkerung: Je schneller Menschen bei einem medizinischen Notfall gerettet werden können, desto erfolgreicher ist die Rettung.

Die Stadtverwaltung hat keine hauptverantwortliche Rolle für die Rettungsdienste inne. Die Grünen-Fraktion möchte der Verteilung der Verantwortlichkeiten nachgehen und fragt sich, welche Mitverantwortlichkeit sich aus rechtlichen Gründen oder aus dem eigenen Anspruch der Stadt ergibt. Zudem erfragt die Grünen-Gemeinderatsfraktion, wie die Stadtverwaltung Karlsruhe die aktuellen Hilfsfristen und Prähospitalzeiten einschätzt und welchen Einfluss die Stadtverwaltung auf deren Verkürzung hat.

Die Prähospitalzeit, also die Zeit nach Eingang des Notrufs bis zur Übergabe an die Versorgungseinrichtung, und die Hilfsfrist, das ist die Zeit von Notruf bis Eintreffen des Rettungsdienstes, hängen von vielen Faktoren ab, z.B. vom Personal, von der Organisation, der Ausstattung und der gleichmäßigen Verteilung der Rettungswachen und der Verkehrsführung. Es spielt beispielsweise eine Rolle, wie lang die Rettungsdienste bei einem Rettungseinsatz gebunden sind – etwa weil sie nicht wissen, wohin sie die erkrankte oder verunfallte Person zur Behandlung transportieren können oder die Übergabe zu lang dauert. Auch der Rettungsweg kann z.B. wegen zu kleiner Fahrstühle oder mangelnder örtlicher Beschreibungen schwierig oder für einen Einsatzwagen gar nicht zu erreichen sein. Wenn die Örtlichkeit schwer auffindbar ist, verlängert sich die Hilfsfrist und wenn weitere Einsatzkräfte gerufen werden müssen, weil der Transport z.B. wegen kleiner Fahrstühle mehr als zwei Retter*innen benötigt, verlängert sich die Prähospitalzeit.

Einfluss auf die Prähospitalzeiten hat vor allem die Lage und Anzahl der Kliniken mit einer voll ausgestatteten Zentralen Notaufnahme (ZNA). Momentan gibt es nur noch zwei Kliniken mit einer ZNA in Karlsruhe, die schwere Notfälle annehmen. Dadurch verlängern sich die durchschnittlichen Wege. Auch hier stellt sich die Frage, wie die Verwaltung diese Situation einschätzt.

Unterzeichnet von:

Verena Anlauf, Jorinda Fahringer, Christine Großmann,

Niko Riebel, Michael Borner, Leonie Wolf

Quelle: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/neuausrichtung-der-hilfsfrist-im-rettungsdienst-1/

Behandelt als TOP 26 in der Gemeinderatssitzung vom 31.05.2022.

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