| Einleitung |
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Es dominieren die Vermittlung ethischer Normen, die Anleitung zur Tugend und das Vorführen exemplarischer politischer und gesellschaftlicher Verhaltensweisen. Das barocke Weltbild ist geprägt durch den Glauben an eine Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos. Die erfahrbare Welt des Einzelnen ist Abbild der durch Gott verbürgten Harmonie der Schöpfung. Die Betrachtung der Welt lenkt den Blick somit notwendig auf die heilsgeschichtliche Bestimmung des Menschen. Die erfahrbaren Gegenstände erhalten einen verweisenden Charakter, sie werden zum »Sinnbild«, das stets auf die göttliche Heilsordnung verweist. Ein solcher Verweischarakter wird auch an den oft zitierten barocken Leitsprüchen deutlich: per visibilia ad invisibilia (von der sichtbaren zur unsichtbaren Welt), per aspera ad astra (von der Widerwärtigkeit des Erdenlebens zu den Sternen des Jenseits). Ebenso haben die barocken Sinnbilder oder Embleme mit ihrem dreiteiligen Aufbau eine verweisende Funktion. Unter der Überschrift (lemma, inscriptio), die eine abstrakte Erkenntnis zum Thema erhebt, wird ein bestimmter Ort, ein Tier, eine Pflanze oder eine biblische Begebenheit bildlich dargestellt (imago, pictura). Die Bildunterschrift (subscriptio), meist in Form eines Epigramms, versucht dem Bildvorgang durch eine originelle Deutung einen hintergründigen Sinn zu geben. Das Emblem zeichnet sich dadurch aus, daß der rein bildlichen Darstellung ein abstrakter Sinngehalt unterlegt wird: das Bild bedeutet mehr, als es vorstellt. Der emblematischen Sprachverwendung in der Barockdichtung liegt die Überzeugung zugrunde, daß das Weltgeschehen voller aufdeckbarer heimlicher Verweise und verborgener Bedeutungen stecke, die auf den inneren, prinzipiellen Sinn der Weltordnung bezogen werden müssen. In der »Welttheater«-Metapher und in der weit verbreiteten vanitas-Symbolik drückt sich Weltangst und Vergänglichkeitsstimmung aus, die für den Barock so charakteristisch sind und sich aus der großen sozialen Unsicherheit der Zeit und ihren politischen und konfessionellen Auseinandersetzungen und Umwälzungen herleiten. |
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