Auf den Anfang kommt es an!

Redebeitrag von Dr. Iris Sardabady im Jugendhilfeausschuss am 07. Oktober 2026
zur zukünftigen· Kitaplatzvergabe

Die aktuelle PISA-Studie hat es noch einmal deutlich gemacht: Frühkindliche Bildung ist entscheidend. Die Weichen für einen gelingenden Bildungsweg werden nicht erst in der Grundschule gestellt.

Das sieht auch die Verwaltung so. Wir freuen uns, dass die lang erhoffte Optimierung des Kitaportals einen großen Schritt vorangekommen ist. Wenn Service, Beratung und Technik besser werden, fallen erste Hürden beim Zugang zu einem Platz weg. Das ist gut.

Aber das allein reicht nicht. Mit der Antwort zur Weiterentwicklung der Kitaplatzvergabe sind wir nicht zufrieden.
Studien zeigen immer wieder: Kinder aus sozial benachteiligten Familien, Kinder mit Sprachförderbedarf und besonderen Bedarfen profitieren am meisten von einem frühen Kitabesuch. Und genau diese Kinder bekommen seltener oder später einen Platz. Das ist auch der Verwaltung bewusst.

Problematisch sind für uns die Vergabekriterien und die Priorisierung. Maßgeblich sind neben der familiären und sozialen Situation und der Erwerbstätigkeit auch die Gruppenstruktur und trägerspezifische Rahmenbedingungen. Unsere Kritik setzt bei der Gruppenstruktur an: Eine ausgewogene Gruppe hängt nicht nur von Alter und Geschlecht ab, sondern auch von besonderen Unterstützungs- und Sprachförderbedarfen.

Deshalb halten wir an den Forderungen aus unserem Antrag von Grünen und SPD aus dem letzten Jahr fest:

  1. Bei der Weiterentwicklung der Vergabekriterien  muss der Zugang für Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen verbessert Benachteiligung und auf eine ausgewogene Verteilung von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache abzielen. Nur so entsteht ein lernförderliches Verhältnis von Kindern mit und ohne Sprachförderbedarf, in dem Deutsch als Verkehrssprache alltagsintegriert, im sogenannten Sprachbad, miteinander gelernt werden kann.
  2. Wir brauchen einen diskriminierungssensiblen Fragebogen bei der Anmeldung, der Familiensprache und Sprachförderbedarf erfasst. Nur wenn Bedarfe erkannt werden, kann früh unterstützt werden – auch durch die Platzvergabe.

Vorsichtig optimistisch stimmt uns, dass Sie Änderungen der Vergabekriterien in diese Richtung bereits zugesagt haben. Unsere Frage deshalb: Wann werden wir über den Stand der Entwicklung informiert?

Zum Schluss: die zentrale Platzvergabe. Dass ein Systemwechsel in der prekären Haushaltslage an Personal und Geld scheitert, können wir nachvollziehen. Dass er aber auch langfristig nicht einmal als Option zur Debatte steht, bedauern wir sehr. Ulm, Mannheim und Stuttgart haben sich bereits auf den Weg gemacht – in unterschiedlichem Tempo.

Das Vergabesystem ist eine Schnittstelle, an der sich entscheidet, ob ungleiche Bildungschancen kleiner werden. Deshalb muss es transparent, nachvollziehbar und evaluierbar sein, wer nach welchen Kriterien über die Aufnahme eines Kindes entscheidet. Das Kriterium „trägerspezifische Rahmenbedingungen“ bleibt für uns bislang zu interpretationsoffen.

Auf den Anfang kommt es an – auch bei der Platzvergabe.