Parken besser steuern, Lebensqualität steigern

Auch wenn das neue nachhaltige Parkraumkonzept noch nicht abschließend beschlossen ist, hat der Gemeinderat wichtige Weichen gestellt: Die Planungen können weitergehen und das dafür nötige Personal dauerhaft beschäftigt werden. Damit kommen wir unserem Ziel einer lebenswerteren Stadt mit mehr Verkehrssicherheit einen Schritt näher. Die 18 Maßnahmen wurden im Dialog mit Akteur*innen aus der Stadt entwickelt und bauen auf wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Erfahrungen anderer Städte.
Doch was soll das Konzept bewirken?

Flächen besser nutzen

Parkraumbewirtschaftung schafft Anreize, private Stellplätze und Parkbauten stärker zu nutzen, in denen vielerorts noch freie Plätze vorhanden sind. Und wer nur gelegentlich ein Auto benötigt, denkt möglicherweise über Carsharing als attraktive Alternative nach.

So können Flächen im öffentlichen Raum für Begrünung und Hitzeschutz frei werden. Gleichzeitig steigt die Chance, dass Menschen, die auf einen Stellplatz angewiesen sind, schneller einen finden – etwa Handwerksbetriebe, Pflegedienste oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Auch der Einzelhandel kann profitieren, wenn Stellplätze in Geschäftsnähe nicht dauerhaft belegt sind, sondern durch Bewirtschaftung häufiger für Kund*innen zur Verfügung stehen.

Eine Frage der Fairness

Nur etwa ein Drittel der Karlsruher Haushalte parkt seinen Pkw im öffentlichen Raum. Die übrigen haben kein Auto oder nutzen private Stellplätze, für die sie Miete bezahlen. Gleichzeitig tragen alle die Kosten für die Bereitstellung öffentlicher Parkflächen mit, die bislang vielerorts kostenlos genutzt werden.

Mehr Verkehrssicherheit

Konsequentere Kontrollen sind keine Schikane. Wer an Kreuzungen parkt und Sichtfelder versperrt oder Rettungswege und Radfahrstreifen blockiert, gefährdet andere. Besonders betroffen sind Kinder sowie Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Die Einhaltung der Parkregeln dient deshalb ganz unmittelbar der Verkehrssicherheit aller.

Und der Handel?

Immer wieder wird argumentiert, das Parkraumkonzept würde dem Handel schaden. Doch die bestehenden Herausforderungen hängen eher mit Online-Handel, Mietpreisen, Baustellen oder Hitze durch mangelnde Begrünung zusammen und lassen sich kaum mit fehlenden Parkplätzen erklären. Frequenzmessungen zeigen, dass die Zahl der Innenstadtbesucher*innen in den vergangenen Jahren wieder gestiegen ist. Zugleich zeigen Auswertungen, dass es in günstigen innenstadtnahen Parkhäusern auch in Stoßzeiten noch viele freie Stellplätze gibt.

Einfach und verständlich

Entscheidend für die Akzeptanz sind das Erklären der Hintergründe, verständliche Regeln und einfache Verfahren, wie etwa schnelle digitale Anträge für Parkausweise und Sondergenehmigungen oder digitale Parktickets. Zu prüfen sind auch Gebührendifferenzierungen nach Fahrzeuglänge und Gebiet. Welche Schritte wie genau im Detail umgesetzt werden sollen, werden wir mit allen Beteiligten weiter diskutieren.

Bei allen Emotionen rund ums Parken wollen wir das gemeinsame Ziel im Blick behalten: sichere Straßen und eine lebenswerte Stadt, in der wir den begrenzten öffentlichen Raum fair nutzen.

Christian Klinkhardt,
Sprecher für Mobilität