Lern- und Freizeitangebote für benachteiligte Schüler*innen in den Ferien

Antrag

  1. Die Stadtverwaltung berichtet, welche Förder- und Nachhilfeangebote für benachteiligte Schüler*innen in den Sommerferien vom Kultusministerium eingerichtet werden, wer diese Lernangebote erteilt und wo sie jeweils stattfinden.
  2. Sie prüft, ob diese Förder- und Nachhilfeangebote mit Freizeitangeboten koordiniert und verzahnt werden können. Dabei soll auch geprüft werden, inwieweit die Kursleiter*innen der Projekte Schule und Kultur, Schule und Sport sowie Schule und Naturschutz/Umwelt in die Ausgestaltung der Freizeitangebote eingebunden werden können.
  3. Sie holt eine Rückmeldung der Schulen über eventuell entstandene Förderbedarfe ein, die nicht durch schulinterne Maßnahmen oder Maßnahmen des Landes abgedeckt sind.
  4. Sie entwickelt gemeinsam mit dem Stadtjugendausschuss bedarfsorientiert ein Konzept für das Schuljahr 2020/21 für ergänzende niedrigschwellige Lern- und Freizeitangebote. Förderangebote des Landes sollen dabei integriert werden. Wenn möglich soll ein Pilotprojekt bereits in den Herbstferien erprobt wer-den.
  5. Sie nimmt dazu Kontakt mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe sowie dem KIT auf, um Lehramtsstudierende für die niedrigschwelligen Lernangebote zu gewinnen.
  6. Die Stadt stellt bedarfsgerecht zusätzliche personelle Ressourcen sowie Mittel für die Planung, Organisation und Durchführung der Ferien- sowie den ergänzenden Lernangeboten zur Verfügung.

Sachverhalt/Begründung

Die Schließung der Kitas und Schulen und der voraussichtlich weiter bestehende Schichtbetrieb bis zur Sommerpause ist eine große Belastung für Familien mit Kindern. Besonders nachteilig wirkt sich diese Situation für Schüler*innen aus Familien, die sozial belastet oder arm sind, für Kinder mit Sprachförderbedarf, VKL-Klassen und für Kinder mit Lernschwächen aus. Diese Schüler*innen sind ganz besonders auf einen regelmäßigen Schulbesuch angewiesen. Denn Schulen sind nicht nur Lernorte, sondern auch Teil ihres sozialen Umfelds und wichtig für ihre ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung. Die meisten von ihnen gehören zu den 20 % der Schüler*innen, die momentan keinen oder nur erschwerten Zugang zum Fernunterricht haben bzw. mit digitalen Geräten nicht ausreichend versorgt waren oder auch über nicht ausreichende Medienkompetenz verfügen. Der derzeitige digitale Unterricht verstärkt die ohnehin schon bestehenden Probleme: Die Schere zwischen Kindern aus bildungsaffinen und bildungsfernen Familien öffnet sich weiter.

Das Kultusministerium hat bereits angekündigt, dass in den Sommerferien für Schüler*innen mit Förderbedarf zusätzliche Lernangebote und Nachhilfe eingerichtet werden sollen. Die Details liegen derzeit noch nicht vor. Es ist wichtig zu wissen, welche Rahmenbedingungen, z.B. Räume, dafür erforderlich sind.

Lernangebote in den Ferien sind besonders erfolgreich, wenn sie mit attraktiven Freizeitmöglichkeiten verzahnt sind. Da der Stadtjugendausschuss derzeit bedingt durch die Corona-Krise die große Herausforderung der Reorganisation seiner kompletten Ferienangebote bewältigen muss, wird diese Verzahnung, wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt möglich sein. Trotzdem sollte geprüft werden, welche ersten Möglichkeiten es dazu gibt.

Eine gute Möglichkeit für die Förderung von benachteiligten Schüler*innen in der Sommerferien wären auch die Angebote aus den Projekten Schule – Kultur, Schule – Naturschutz/Umwelt sowie Schule – Sport für benachteiligte Schüler*innen. Diese Angebote könnten ggf. in den Jugendzentren stattfinden.

Wir Grüne halten es für erforderlich, dass bereits jetzt für die Zukunft geplant wird: Es ist eine große Herausforderung, die soziale Benachteiligung im Bil-dungswesen zu verringern. Die zusätzlichen Ferienangebote werden auch in den nächsten Jahren ergänzend notwendig sein. Das Land ist zwar originär für den Unterricht zuständig, aber auch die Stadt steht in der Pflicht, zum Abbau von Bildungsbarrieren beizutragen. Sommerschul- und Freizeitangebote können erheblich zur Entlastung der Familien beitragen. Um mehr Schüler*innen für Nachhilfe zu erreichen, bieten sich ergänzend niedrigschwellige Lernangebote durch Studierende an, die über die PH und das KIT gewonnen werden können.

Aus unserer Sicht sind dafür zusätzliche Mittel sowie personelle Ressourcen auf Honorarbasis notwendig und müssen zur Verfügung gestellt werden.

Unterzeichnet von:

Renate Rastätter                            Christine Großmann
Dr. Iris Sardarabady
Benjamin Bauer                              Aljoscha Löffler

Unterlagen TOP 31, Gemeinderatssitzung 21. Juli 2020

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