Eisbären im Karlsruher Zoo – Überlegungen für die Zukunft

Antrag zur öffentlichen Vorberatung im Fachausschuss

  1. Die Stadtverwaltung evaluiert die Eisbärenhaltung des Karlsruher Zoos mit Blick auf die Erfüllung der artspezifischen Bedürfnisse der Tiere und bezieht dabei aktuelle wissenschaftliche Fachexpertisen mit ein;
  2. Sie ist offen für Überlegungen für Alternativen zur bisherigen Eisbärenhaltung und entwickelt Ideen und Pläne dazu, die längerfristig umgesetzt werden könnten.
Begründung/Sachverhalt

Wir Grüne bedauern den plötzlichen Tod des Eisbären Blizzard. Es macht uns traurig, dass dieser große Polarbär, der erst 2020 in unseren Zoo aufgenommen wurde, nur 15 Jahre alt geworden ist. In freier Wildbahn können Eisbären bis zu 30 Jahre alt werden.

Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt hat in einem BNN-Gespräch erklärt, dass es aktuell kein Thema sei, ob die verbleibende Polarbärin Charlotte bald Gesellschaft erhält und wie es mit der Eisbärenhaltung generell weitergeht. Allerdings hat er geäußert, dass man sich mit der Koordinatorin des internationalen Zuchtbuches austauschen wird.

Wir Grüne begrüßen es, dass jetzt keine schnellen Entscheidungen getroffen werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Eisbärenhaltung in Karlsruhe überdacht und fachlich hinterfragt wird. Der Karlsruher Zoo hat unter der Leitung von Dr. Reinschmidt eine Trendwende vollzogen, weg vom „Ausstellen“ aller beliebten Tiere und die Haltung möglichst vieler Tierarten – hin zu einem naturpädagogisch konzipierten und modernen Zoo. Die Schwerpunkte sind dabei Artenschutz, Bildung und Wohlbefinden der Tiere in einem für sie naturnahen Lebensraum. Diese Ziele werden von uns Grünen von Anfang an unterstützt.

Auch wenn die Eisbärenanlage die deutschlandweit größte ihrer Art sein soll, kann sie nach unseren Erkenntnissen den arttypischen Ansprüchen ihrer Bewohner*innen bei weitem nicht Rechnung tragen. In ihrer natürlichen Umgebung haben Eisbären als Einzelgänger ein gigantisches Streifgebiet von 100.000-600.000 km2/Jahr und legen pro Tag bis zu 50 km zurück. Der Bewegungsmangel im Zoo führt zu Stereotypen und Leiden, da sie ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben können.

Der Klimawandel wird unsere Stadt noch weiter aufheizen. Für Eisbären, die biologisch an die Arktis mit Polareis angepasst sind, ist das eine unerträgliche Situation. Nachzuchten in Zoos sind noch nie ausgewildert worden, weil sie auf die Herausforderungen an das Überleben in freier Natur nicht vorbereitet werden können. Deshalb darf es keinen Automatismus zur dauerhaften Fortsetzung der Eisbärenhaltung im Karlsruher Zoo geben. Namhafte Zoos in Deutschland, wie u. a. die Wilhelma, sind bereits aus guten Gründen aus der Eisbärenhaltung ausgestiegen.

Wir setzen uns mit unserem Antrag dafür ein, dass Alternativen zur Eisbärenhaltung geprüft werden. Dazu sollen Ideen und Pläne entwickelt werden. Längerfristig hat die Eisbärenhaltung im Karlsruher Zoo aus Sicht der Grünen keine Zukunftsperspektive mehr.

Wir Grüne unterstützen weiter alle Ziele, die den Karlsruher Zoo bei der Weiterentwicklung zu einem zu Artenschutzzentrum stärken. Dabei sind Artenschutz, Wissensvermittlung und tiergerechte Haltung für uns Grüne gleichrangig. Diese Ziele werden in Karlsruhe vielfach schon vorbildlich umgesetzt, u. a. mit der Altersresidenz für Elefantenkühe und der neuen Luchsanlage am Lauterberg. Das sind artenschutzgerechte Attraktionen, mit denen der der Karlsruher Zoo punkten kann. Durch den von uns Grünen beantragten Artenschutzeuro können vielfältige Projekte für den Schutz von Lebensräumen bedrohter Tierarten in den Herkunftsländern der Tiere finanziert werden. Der Artenschutzstiftung des Zoos kommt dabei eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion zu.

Wir haben jetzt die Chance für eine konzeptionelle Neuorientierung mit Blick auf die Eisbärenhaltung. Mit einer dauerhaften Zementierung der Eisbärenhaltung tun wir weder den Tieren, noch dem Zoo etwas Gutes. Deshalb lehnen wir auch einen Wiedereinstieg in die Eisbärenzucht ab, zumal die Ausgestaltung der derzeitigen Anlage voraussichtlich die hohen Anforderungen hierfür nicht erfüllen kann. Wenn wir diesen – und anderen wildlebenden – Großsäugetieren etwas Gutes tun wollen, setzen wir uns besser mit aller Kraft für die Umsetzung unseres Klimaschutzkonzeptes und die Einhaltung des globalen 1,5 Grad Zieles ein.

Unterzeichnet von:

Renate Rastätter, Christine Großmann, Michael Borner, Christine Weber,

Aljoscha Löffler, Verena Anlauf, Dr. Iris Sardarabady

Die Beratung des Antrags im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen ist für den 27. April vorgesehen (siehe öffentliche Vorlage für die Gemeinderatssitzung am 29. März TOP 21)

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